Der Fusionsfilm läuft

von Anian Liebrand  

Leserbrief von Oscar Blaser, Littau

Wer die Gebietserweiterung der Stadt Luzern auf das Gemeindegebiet von Littau an der Front miterlebt hat, der spürt bald einmal, dass im Fall Emmen/Kriens/Ebikon/Adligenswil nach demselben Drehbuch vorgegangen wird wie im Fall von Littau. Was sich geändert hat, ist die Überheblichkeit, welche die Fusions-Turbos nach dem geglückten Coup mit Littau an den Tag legen. Man hat nach gewonnener Abstimmung lauthals verkündet, man werde künftig nur noch im Paket verhandeln.

Möglicherweise könnte diese Arroganz den Fusions-Turbos von Stadt und Kanton zum Verhängnis werden. Die Euphorie für ein GrossLuzern beginnt in verschiedenen Gemeinden zu bröckeln und wird von einer Skepsis abgelöst. Erste Stolpersteine auf dem Weg zu GrossLuzern haben die Befürworter scheinbar überrascht, anders ist die Nervosität nach der Terminverschiebung im Einwohnerrat Emmen nicht zu deuten.

Gemäss Drehbuch werden die Präsidenten der angepeilten Gemeinden als Hauptakteure eingesetzt, unterstützt von einzelnen Ratskollegen. Diese Damen und Herren haben eine Handlungsvollmacht für die Durchsetzung ihres Anliegens. Wer für GrossLuzern kämpft, kann sich fast alles erlauben unter der gütigen Schirmherrschaft der Kantonsregierung. Im Fall Littau hatte sogar die Unterdrückung von Akten durch den Gemeindepräsidenten keine ernsthaften Folgen. Ob solche Begünstigungen im neuen Film auch vorgesehen sind, bleibt abzuwarten.

Im „Littauer Film“ hatten nämlich die Akteure nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet das Fernsehen den eigentlichen Grund für die „Fusion mit der Brechstange“ aufgedeckt hat. Im Vordergrund haben demzufolge persönliche Interessen und nicht jene der Bevölkerung gestanden. Für uns Littauer ist es ein schwacher Trost, wenn der Anführer Gemeindepräsident Wicki sein letztes politisches Amt niedergelegt hat, nachdem er mit seinen politischen Weggefährten die Gemeinde Littau verscherbelt hat. Statt sich für die Umsetzung der uns Littauer in Aussicht gestellten Vorteile einzusetzen, macht er sich aus dem Staub

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Bevölkerung der angepeilten vier Gemeinden diesen Fusionsfilm genauestens ansieht. Dannzumal wird sie bald feststellen, wer von einer Gebietserweiterung der Stadt Luzern profitiert und welche Folgen die Auflösung einer funktionierenden Gemeinde hat. Erste Erfahrungen haben wir bereits gemacht, eingetroffen ist insbesondere alles, wovor die Gegner gewarnt haben. Gestützt auf diese Feststellungen hätte die Abstimmung zum heutigen Zeitpunkt keine Chance mehr.

Oscar Blaser, Littau

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