Luzern, Zug und Schwyz sollen sich Zürich anschliessen - Der bare Fusions-Wahn geht um

von Peter With  

Text von Dirk Meyer, Luzern

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Die Neue Luzerner Zeitung, ein Ableger der NZZ, führt heute eine DOSSIER-Beilage zum Thema „Metropolitanraum Zürich“. Die Devise lautet: LU, SZ und ZG sollen sich der angeblich unwider-stehlichen Sog-Kraft von Zürich ergeben – mit allen Verkehrs-technischen und Infra-strukturellen Konsequenzen. Besonders der ÖV sei markant aufzubessern. Ohne tiefgelegten Bahnhof in LU beispielsweise gehe es nicht mehr.

Der Wahnsinn hat Gesichter. Z.B. dasjenige der LU RR Yvonne Schärli. Schon immer gab Schärli getreulich zum Besten, was ihr Hinterleute zuvor zugeflüstert hatten: Zuerst machte sie sich für ein sog. Gross-Luzern stark. Dabei bediente sie sich fragwürdiger Methoden und leimte damit einzelne Parlamentarier rein aus der Stadt Luzern angrenzenden Gemeinden. Bereits wurde die Gemeinde Littau zur Stadt Luzern einverleibt: Die Littauer Ex-Gemeinderäte bekamen zum Ausgleich von der Luzerner Stadtverwaltung satte Pöstli zugeschanzt.

Jetzt flötet Schärli – und wieder auf Geheiss von hinten –, Luzern müsse sich viel stärker auf Zürich ausrichten, denn damit würden einzelne (objektiv komplett überrissene) Luzerner Bauprojekte erst möglich. Z.B. die Tieferlegung des LU Bahnhofs, mit Tunnelbauten unterhalb des Seebeckens nach Ebikon, sowie nach Kriens und Horw, etc.

Schärli propagiert im selben Beitrag u.a. den „Ausbau der Axenstrasse“ auf Schwyzer Gebiet, obwohl gerade gestern der SZ Kantonsrat eine Beteiligung des Kantons mit grossem Mehr ablehnte. Vor lauter Fusions-Wahn bei einzelnen Polit-Turbos wird nicht mehr bloss der demokratisch gestaltete und erklärte Wille ignoriert, es wird sogar über die Köpfe anderer Kantone hinweg bestimmt und dirigiert.

Frau RR Schärli entblödet sich nicht mal, die Oper in ZH und das KKL in LU zu erwähnen, um damit einen demnächst rasant zunehmenden Personenverkehr zwischen den beiden Kultur.- und Ausgeh-Städten zu begründen. Dabei wären wohl eher gewisse örtliche ärztliche Abklärungen, als eine Verdoppelung des zentralschweizerischen ÖV angezeigt.

Die schwachen, wenn nicht gar liederlichen Argumente der ÖV-Turbos können einen tatsächlich in Rage bringen: Nicht nur wird vom „Anschluss des Kts. SZ ans Zürcher S-Bahnnetz“ gefaselt. Nein, es werden gleich auch noch „hochqualifizierte Arbeitskräfte“ selbst von ausserhalb des EU-Raumes dazu bemüht. Der Redeschwall von Schärli endet nämlich darin, es sei Studierenden gerade aus exotischen Ländern über ihre Studienzeit hinaus die „Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung“ zu verlängern.

Damit kommt Schärli keineswegs vom Thema ÖV ab. Denn seit Jahren wird nicht bloss die CH-Bauwirtschaft, sondern auch die permanente ÖV-Ausweitung mit never ending Importen und Einbürgerungen von Ausländern bedient. Gleichzeitig verlieren immer mehr Aborigines-Schweizer wegen Lohndumping ihre Jobs.

Offenbar steht unser Land vor einer überfallartigen Fusions-Inflation. Laut dem DOSSIER-Bericht der NLZ sind zurzeit gleich 5 welsche Kantone in den Starlöchern, um per 3. Juli offiziell mit dem Kt. BE einen gemeinsamen „Wirtschaftsraum“ zu bilden. Dabei geht es bei all diesen Unterfangen eigentlich nur um das Papier: Mit virtuell herbei onanierten Zusammenschlüssen und Fusionen soll gegenüber Bund, Bruxelles und der übrigen Welt die eigene Machtposition erhöht und ausgebaut werden. Zum einzigen Zweck, um damit höhere Subventionen und noch wildere Verkehrsprojekte auszulösen.

Danebst entsteht für die Bevölkerung aber auch ein enorm hoher Anpassungs- und Umsiedlungs-druck. Es ist deshalb an der Zeit, dass betroffene Gemeinden – und neu sogar ganze Kantone – sich gegen solch technokratisch-gigantische Unternehmungen wehren. Indem wieder mal klar betont
wird, welches für uns die elementaren Lebens-Grundlagen und Lebens-Bedürfnisse sind, als Menschen und Bürger dieses Staates: We are not born, um wie Sardinen in ÖV-Büchsen dauernd hin- und hergeschoben zu werden zwischen Regionen und Kantonen.

ÖV-Fahren ist nicht unser kleinster gemeinsamer Nenner– wir wollen selbstverständlich mehr vom Leben. Landschäftler wollen z.B. nicht, dass ihre Dörfer von ganzen Kantonen als Naherholungs-gebiete überrannt werden. Städter sind andererseits nicht darauf erpicht, jeden Morgen und jeden Abend die arbeitsfähige Bevölkerung fremder Kantone fassen, kanalisieren und abfertigen zu müssen. Und wir alle wollen nicht, dass aus Gründen der Arbeitsbeschaffung für Ausländer unsere Landschaften noch mehr umbrochen und zugedonnert werden.

Frage nebenbei: Ist derzeit nicht eine deftige Wirtschaftskrise im Land? Es ist drum nur schwer einzusehen, weshalb gerade jetzt so geplant und gehandelt wird, gegen die Interessen und Bedürfnisse der angestammten Bevölkerung. Dafür scheint es derzeit nur eine Erklärung zu geben, die standhaft ist: Immer in Krisenzeiten werden die Lohnabhängigen dazu gedrängt, sich mit dem Boden zu befassen: Hiess es für die Aktiv-Generation noch unwirtlich Torf stechen, unrentabel Kohle schaufeln, unsinnig Moore austrocknen, mühsamst Flüsse begradigen und eine ziemlich unergiebige Kartoffel-Anbauschlacht veranstalten – so heisst es heute: Tunnels bauen, Bahnhöfe tiefer legen, Bahnstrecken unter den Boden versenken, Strassennetze ausbauen. Aber exgüsi: Wozu? Und heisst es heute weiter: ÖV fahren und sich durch Autonomieverlust und Fremdbestimmung die letzten demokratischen Rechte abluchsen lassen. Aber exgüsi: Wo führt das hin?

Dirk Meyer

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