Am Mittwoch dem 21. März 06 hat der Einwohnerrat Littau mit Ausnahme der SVP geschlossen dem Bericht und Antrag (B&A) Fusion Littau-Luzern zugestimmt. Dieser B&A umfasste allein schon über 80 Seiten. Dazu kommen noch ein halber Meter Akten in der Aktenauflage mit zusätzlichen Dokumenten zur Fusion. Während sich die zwei SVP-Mitglieder der vereinigten Finanz- und Geschäftsprüfungskommission einen Nachmittag frei genommen haben, um diese umfangreichen Dokumente zu studieren, waren sich alle anderen Einwohnerräte zu schade dafür. Weshalb auch schon einen Nachmittag opfern, es geht ja nur um unsere schöne und lebenswerte Gemeinde, die einem ja erst zu diesem Amt verholfen hat. Die interessanteste Begründung für ihr fernbleiben lieferte die Präsidentin dieser Kommission: Sie wäre schon in der GPK umfassend informiert worden und hätte also schon alle Akten gekannt. Da fragt sich bloss woher sie denn weiss, dass sie alle Akten schon kennt, wenn sie nicht bei der Aktenauflage war! Wie auch immer, auf jeden Fall ist es so nur unseren beiden Kommissionsmitgliedern aufgefallen, dass das Register der Fachgruppe Finanzen als einziges komplett leer war. Dies erstaunte sie um so mehr, da sie ja bereits Monate vorher durch Gemeinderat Stocker in den Besitz von umfangreichen Dokumenten gekommen sind. Selbst ein wiederholtes Nachfragen löste nur Kopfschütteln aus, der Gemeindepräsident Dr. Josef Wicki meinte dazu in der Kommission: „Es gibt in diesem Bereich keine weiteren Unterlagen.“ Wie bereits bekannt wurden daraufhin die nicht existierenden Dokumente auf der Internetseite der SVP-Littau der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Dokumente ruhig in der Aktenauflage hätten erscheinen können, es hat sich ja sowieso fast niemand dafür interessiert. Genau so verliefen dann die Kommissionssitzungen. Die Fraktionen wurden aufgefordert, vor den zwei Sitzungen ihre Fragen schriftlich einzureichen. Natürlich kam nur die SVP-Littau dieser Aufforderung nach, die anderen Parteien hatten offenbar keine Fragen. So dann auch in der Sitzung selbst, es gab weniger als zehn Wortmeldungen, von denen der SVP mal abgesehen. So ist im Protokoll festgehalten, dass von der Seite 21 des Fusionsvertrages bis zur letzten Seite 51 des B&A, insgesamt über 45 Seiten, „keine weiteren Wortmeldungen“ verlangt wurden. Wären die über 30 Fragen der SVP nicht gewesen, wäre die Sitzung in 30 Minuten beendet gewesen. Dasselbe hat sich dann im Einwohnerrat wiederholt: Während die SVP-Littau sich zu jedem Bereich gewissenhaft geäussert hat, gab es zum ganzen 80seitigen B&A gerade mal zwei Wortmeldungen. Die Fusionsturbos hatten keine Fragen, keine Unklarheiten, keine Anträge, keine Bemerkungen, einfach nichts. Wenigstens wussten sie, wann sie die Hand heben mussten.
Kleine Anmerkung am Ende: In der Stadt interessierten sich ausnahmslos alle Parteien für die Aktenauflage, viele Parlamentarier (Pro und Contra) studierten sie eingehend. Die Stadtratssitzung dauerte auf Grund der vielen Fragen über 4 Stunden, weshalb sie dann unterbrochen und die Fortsetzung des Geschäfts auf einen anderen Tag verlegt wurde…
